Als die Mädchen Trude hießen

24.05.2012 - Wörsdorf

Von Marion Diefenbach

PROJEKT Hinreißender Musik- und Theaterabend in der Wörsdorfer Wörsbachschule

Gelungenes Kindertheater in der Wörsdorfer Franz Kade Schule.


Es sei das letzte Mal, dass eine solche Vorführung in dieser Enge stattfinde, denn die neue Schule werde gebaut, sagte Schulleiterin Beate Brunzel zur Einführung: Schwitzende Eltern saßen auf winzigen Stühlchen und auf Tischen, standen im hinteren Teil des Raumes und in der Klassentür bis auf den Flur hinaus, denn das jährliche Theaterprojekt der vierten Klassen hat sich schon einen Namen gemacht.

Diesmal stand das Projekt unter dem Motto „Geschichten aus längst vergangenen Tagen“, dem Mittelalter.

Bereits im halbstündigen ersten Teil des Abends erzählten Chor und Instrumentalisten des dritten und vierten Schuljahres Geschichten wie etwa „Riesen haben Riesenangst, wenn man ihnen auf der Nase tanzt“ oder von der Zeit, in der die Mädchen Trude hießen, („Die Trude wäscht sich nie“) oder dem Schneider Meckmeckmeck, gekonnt moderiert von einem zünftigen Spielmann.

Am Klavier begleitet von Projektleiterin Brigitte Stark präsentierten die Kinder mit offensichtlich sehr viel Spaß einen anrührenden, lebendig-bunten Liedermix sowie Solovorträge auf dem Klavier und Instrumentalstücke mit Gitarren, Flöten und Geige.

Nach einer Trinkpause leitete der Gelehrte Tobias in entsprechender Montur in das Jahr 1249 über. Die Zwangsabgaben an Lehnsherren ließen so manchen Bauern hungrig bleiben, und „wenn der Ritter nicht versteht, dass etwas übrig bleiben muss, ist er ein Dummkopf“.

Daran knüpfte die Geschichte von Hannes an, dem Sohn eines Bauern, der als Leibeigener aus gepeischt und ausgebeutet wurde.

Als selbst das Ferkelchen der Familie abgegeben werden sollte, beschloss er, sich mit ihm auf den Weg zu machen, um der Familie ein eigenes Zuhause zu verschaffen. Er hatte Glück und traf unterwegs auf einen geschäftstüchtigen Gaukler, der sich auskannte, da er von Stadt zu Stadt reiste, um die Menschen zu unterhalten, und Hannes zum Geldverdienen Zaubertricks beibrachte. Als sie gerade ihr Essen mit Spielleuten teilten, kommt ein Gesandter von Ritter Giselher vorbei, der einen Sieben- oder Achtjährigen aufs Schloss bringen soll, um zum Ritter ausgebildet zu werden, wozu sich die einzige Tochter Giselhers nicht eignet. Hannes wurde zum Pagen Johannes, dann zum Knappen und schließlich zum Ritter, so dass seine Familie auf der Burg leben durfte, und als er noch einen Kampf für Giselher übernahm, gab dieser ihm auch noch seine Tochter Adela zur Frau.

Viele witzige Details der Inszenierung, die am Dienstag von der 4b vorgestellt wurde, erstaunten und amüsierten die Zuschauer: eingestreute mittelhochdeutsche Zitate wie „Du bist min ich bin din, des solt du gewis sin“ oder das Schimpfen auf die „Weibsleut“ wirkten ebenso erfrischend wie das wörtlich mehrfach wiederholte Lamentieren der Rittersfrau Kunigunde über ihre Tochter: „Dieses Kind! Wer will so ein Mädchen einmal heiraten?“, dramatisch untermalt von entsprechender Gestik der Mägde im Hintergrund. Auch die gewollten Wortverdreher eines der Spielleute wie etwa „Glücklichen Herzwunsch“ setzen witzige Glanzpunkte, und die jungen Protagonisten konnten wohl diese erstaunliche Leistung nur dank ihrer großen Begeisterung erbringen.

Auch die liebevoll nachempfundenen Kostüme beeindruckten: die Oberteile der Spielleute mit den typischen Kapuzen, die weißen Häubchen und braun-beigen Kleider der Marktfrauen, die Burgfräulein in dunklem Kostüm mit Haarkranz - alles passte zusammen.

Brigitte Stark hatte nicht nur die Musik mit dem Chor einstudiert, sondern auch alle Kostüme selbst genäht und das gelungene einstündige Theaterstück selbst geschrieben und inszeniert.

Wer am kommenden Donnerstag die Möglichkeit hat, um 18 Uhr in der Wörsbachschule zu sein, sollte sich unbedingt die zweite Aufführung ansehen, die dann die 4a präsentieren wird.


Den Original-Bericht finden Sie im Wiesbadener Tagblatt oder hier.

 
 

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